Gebundener Ganztag

Allgemeine Informationen zum “gebundenen Ganztag”

Was bedeutet „gebundener Ganztag“ ?

Gebundener Ganztag bedeutet am Städtischen Gymnasium Erwitte:

  • an drei Tagen, nämlich montags, mittwochs und donnerstags verlässlich Schule von 8:05 bis 15:30 Uhr, dienstags und freitags bis 13:15 Uhr,
  • darin enthalten eine Mittagspause von 45 Minuten mit den Angeboten eines ernährungsphysiologisch hochwertigen Mittagessens und individueller Entspannung,
  • den Unterricht ergänzende Angebote zu Individueller Förderung in den Kernfächern, eigenständigem vertiefenden Arbeiten unter Aufsicht im Selbstlernzentrum,  AGs aus Naturwissenschaften, Sport, dem musischen Bereich, Verkehrserziehung,  Sozial-kompetenz-Training und Hausaufgaben-Betreuung,
  • bei Bedarf individuelle Unterstützung durch unserer Schul-Sozialarbeiterin,
  • weitgehender Verzicht auf Hausaufgaben, also verlässlich verfügbare Freizeit nach der Schule,
  • Entschleunigung des Schultages durch Doppelstunden-Modell mit der Folge einer Reduzierung der Fächervielfalt an einem Schultag, Konzentration auf einzelne Fächer und Installierung von Übungs- und Trainingsphasen auch im Vormittag.

Was spricht für den „Gebundenen Ganztag“ ?

Die Entscheidung für den „Gebundenen Ganztag“ folgt unterschiedlichen Motiven und Intentionen. Sie orientiert sich an den bildungspolitischen Gegebenheiten und ist in keiner Weise ideologisch geleitet.

Folgende Faktoren spielen dabei eine Rolle:

  • Die Ausdehnung der Stundentafeln für die Sekundarstufe I nach KMK-Beschluss hat dazu geführt, dass Klassen am Gymnasium 32 – 34 Wochenstunden Unterricht haben. Einen „Halbtag“ im klassischen Sinne gibt es nicht mehr!
  • Die Neukonzeptionierung trägt dem geänderten Bewusstsein der Rolle von Schule in unserer Gesellschaft Rechnung und erhöht durch längere Verweildauer mit Übungsphasen in Schule die Chancengleichheit.
  • Der Schulträger, die Stadt Erwitte, hat durch erhebliche finanzielle Anstrengung mit der Errichtung von Aula, Mensa und Selbstlernzentrum frühzeitig dafür gesorgt, dass unser Gymnasium im Unterschied zu vielen anderen Schulen in NRW über optimale „Hardware“ verfügt.
  • Nur im „Gebundenen Ganztag“ erhalten wir für die zu leistende Aufgaben in den Bereichen Individuelle Förderung, Über-Mittag-Verpflegung und Hausaufgaben-Betreuung die personellen und materiellen Ressourcen, ohne welche diese notwendigen Maßnahmen nicht realisierbar wären, was zu einer deutlichen Entlastung der zum Einsatz kommenden Kolleginnen und Kollegen führen wird.
  • Der pädagogische Mehrwert wird durch institutionalisierte Übungsstunden, AGs und Hausaufgabenbetreuung erheblich sein.
  • Der zeitliche Mehraufwand zur gegenwärtigen Unterrichtssituation ist minimal; er beträgt in der Woche 90 – 180 Minuten!
  • Die Entscheidung entspricht dem mehrheitlichen Elternwillen.
  • Wir positionieren unsere Schule im Hinblick auf anstehende demografische Änderungen und daraus resultierende Entwicklungen der Schullandschaft zukunftsorientiert.

Wie kam es zu der Entscheidung?

Im Frühjahr 2009 hat die Landesregierung uns nach Ausdehnung der Stundentafel für die S I und somit verpflichtendem Nachmittagsunterricht bei bis zu 36 Wochenstunden die Möglichkeit geboten, durch kurzfristigen Einstieg in den Gebundenen Ganztag finanzielle und materielle Mittel für die Schule zu erhalten, welche in keinem Verhältnis zum zu leistenden Mehraufwand stehen. Bei vollem Ausbau sind dies 20% der Grundstellen!

Da die hierfür bereitgestellten Landesmittel begrenzt waren, erschien eine frühzeitige Sicherung dieser Mittel durch Einführungsbeschluss sinnvoll. Gleichzeitig bestand in der Schulgemeinde der Konsens, eine solche System-Änderung nicht gegen den erklärten Willen der GS-Eltern unseres Einzugsbereiches durchzusetzen.

Nach ausführlicher Meinungsbildung im Kollegium – u.a. fand am 4. März 2009 ein ganztägiger pädagogischer Tag mit Experten für das Kollegium statt – hat die Schulkonferenz vom 15. Juni 2009 einen solchen Beschluss gefasst. Er beinhaltet:

  • Einführung des Gebundenen Ganztags für die Klassen 5 mit Schuljahr 2010/11
  • Abfrage des Elternwillens durch die Schulträger (Erwitte und Anröchte) wegen der dann anstehenden GS-Informationen zur Neu-Anmeldung
  • bei negativem Eltern-Votum: Option der Beschluss-Revision durch spätere Schulkonferenz (Rücknahme oder Verschiebung des Starts).

Der Schulträger hat die Abfrage Ende November durchgeführt. Sie ergibt ein – wenn auch knappes – Mehrheitsvotum für den Ganztag!

Eine außerordentliche Schulkonferenz-Sitzung unter Beteiligung von Vertreter des Schulträgers – u.a. war Bürgermeister Peter Wessel anwesend – hat dann am Montag, den 7. Dezember durch einen eindeutigen Mehrheitsbeschluss für den Einstieg in den „Gebundenen Ganztag“ Planungssicherheit geschaffen.

Die Mitglieder des Schul- und Sozialausschusses folgten in der Sitzung vom 10.12.2009 dem Votum der Schulkonferenz einstimmig. Entsprechendes gilt für den Rat der Stadt Erwitte, so dass der Antrag fristgerecht bei der Bezirksregierung Arnsberg gestellt werden konnte. Er wurde inzwischen positiv beschieden.

Welche Perspektiven gibt es?

Sollte  das Land NRW  den Gymnasien – wie anderen Schulformen auch – zukünftig die Möglichkeit geben, einen offenen Ganztag einzurichten, also nur für einzelne Züge  (= Klassen) die ergänzenden Maßnahmen anzubieten, werden wir uns neu orientieren und möglicherweise die Bindung durch Schulkonferenzbeschluss öffnen.

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Das Konzept für den  „gebundenen Ganztag“

I   Schuldaten und Standortfaktoren

Schulträger: Stadt Erwitte

Schulgröße: Ca. 800 Schülerinnen und Schüler; Sek. I: 3 –  4-zügig, über 50 Lehrerinnen und Lehrer, 1 Schulsozialarbeiterin

Standort: Ländlich strukturierter Raum, ca. 50%  Fahrschüleranteil

Schullandschaft: Hauptschule im gemeinsamen Schulzentrum, Realschule in der benachbarten Gemeinde Anröchte, Kooperation in der S II mit dem Gymnasium Antonianum in Geseke

II   Pädagogische Grundorientierung und Leitlinien

Unsere pädagogischen Leitgedanken ergeben sich aus den Ansprüchen der gegenwärtigen Lebenswirklichkeit. Zielvorstellung ist für uns dabei eine humane Gesellschaft, welche nur aus einem Geist ethischer Verantwortung für alle Menschen entstehen kann.

Wir anerkennen die Fähigkeit und Bereitschaft zur Leistung als elementaren Anspruch, dem sich auch künftige Generationen in besonderer Weise zu stellen haben. Ein weiterer Schwerpunkt ergibt sich aus dem Anspruch, den die moderne Medien- und Informationsgesellschaft an unsere Schülerinnen und Schüler stellt.

Demnach lauten unsere pädagogischen Grundsätze:

  • Junge Menschen sind grundsätzlich leistungsbereit. Wir wollen ihre Leistungsbereitschaft fördern und entwickeln, indem wir ihr Selbstbewusstsein stärken und ihnen helfen, eine positive Grundhaltung zum Leben zu gewinnen. – Eng damit zusammen hängt eine Entwicklung der Selbstständigkeit unserer Schülerinnen und Schüler, die eine natürliche Folge eines wachsenden Selbstbewusstseins ist und von uns vor diesem Hintergrund systematisch herausgefordert und gefördert wird.
  • Wir vermitteln unseren Schülerinnen und Schülern Schlüsselqualifikationen in den Bereichen Kultur und Sprachen, Naturwissenschaft und Technik, neue Medien und Gesellschaft, die ihnen helfen sollen, auch in der künftigen Wissens- und Informationsgesellschaft zu bestehen.
  • Teamarbeit in gemeinsamen Projekten, das Einüben sozialer Verantwortung in Mentorenprogramm, SV-Arbeit so wie Sozialprojekten und eine Öffnung der Schule nach außen im AG-Bereich, aber auch jährlich stattfindende Tage religiöser Orientierung schärfen den Blick für den Mitmenschen und gesellschaftliche Verantwortung.

Die Grundsätze unseres gemeinsamen pädagogischen Handelns haben wir in einer Schulvereinbarung niedergelegt, welche von allen Schülern und Eltern bei der Einschulung unterschrieben wird.

III   Individuelle Förderung

Individuelle Förderung ist nach dem Schulgesetz NRW das leitende Prinzip jeder Form von Unterricht. Dies gilt für den Fachunterricht nach Stundentafel ebenso wie für andere Organisationsformen unterrichtlicher und außerunterrichtlicher Angebote.

Individuelle Förderung bedeutet für uns gleichermaßen Defizitausgleich wie die Förderung von Kindern mit besonderen Stärken bis hin zur Hochbegabung. Diese geschieht vor allem im stark projektorientierten AG-Bereich. Wir bemühen uns hier um gezielte Förderung naturwissenschaftlicher (Wettbewerbe), musischer (Chor, Orchester, Theater…), literarischer (kreatives Schreiben, Lesen) und sportlicher Begabungen.

Konzeptionell verankert ist die überschaubare Kleingruppe als Organisationsform  im Förderband. Die Einrichtung von deutlich mehr Gruppen, als Parallel-Klassen in einem Jahrgang existieren, führt in den jeweiligen Fördergruppen zu einer spürbaren Verringerung der Schülerzahl und damit zu einer effektiveren Förderung des Einzelnen. Kompetente Hausaufgabenbetreuung durch Fachlehrer, externe Hilfskräfte (ehemalige Kolleginnen/Kollegen, Eltern) oder Oberstufenschüler entlastet die Familien von bekannten Schulproblemen, schafft im Hinblick auf soziale Benachteiligung Chancengleichheit und garantiert eine weitgehend hausaufgabenfreie Freizeit nach der Schule.

Unser fachschaftsbegleitetes Projekt „Schüler helfen Schülern“ leistet gezielte Nachhilfe für schwache Schüler und stärkt in gleicher Weise Helfenden wie Geholfenen.

Freiarbeit als eine von Klasse 5 an in Ergänzungs- und Vertretungsstunden praktizierte Form selbstständigen Arbeitens  mit konsequent angewendeter Selbst-Überprüfung stärkt nicht nur die jeweiligen fachspezifischen Kompetenzen, sondern führt zu systematischer Steigerung von Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl. Sie bildet Voraussetzung und Grundlage für eigenverantwortliches Arbeiten (EVA) sowohl in der gymnasialen Oberstufe als auch in unserem Selbstlernzentrum.

Die Förderung sozialer Kompetenzen stellt ein Hauptanliegen unserer pädagogischen Arbeit dar. Neben den gezielten Trainings-Angeboten unserer Schulsozialarbeiterin, die sich auf die Ausbildung von Teamfähigkeit, persönlicher Stärke und  Konfliktfähigkeit beziehen, verfolgt das didaktisch-methodische Konzept des gesamten außerunterricht-lichen Angebots konsequent den Gedanken der Teambildung und fördert damit die

Fähigkeit unserer Schüler, ihre Begabungen in einer Gemeinschaft und für die Gemeinschaft einzubringen.

IV   Organisationsformen

1.  Zeitkonzept/Rhythmisierung

Im gebundenen Ganztag  besuchen unsere Schülerinnen und Schüler an drei Wochentagen, nämlich montags, mittwochs und donnerstags, für 6 Vormittags- und  2 Nachmittagsstunden zwischen 8:05 Uhr und 15:30 Uhr die Schule. An den übrigen Tagen werden 6 Unterrichtsstunden im Vormittag erteilt; der Unterricht endet dann um 13:15 Uhr.

Zu den Besonderheiten des Zeitkonzepts gehört ein  „moderates Doppelstundenmodell“. Die ersten vier Stunden und die Nachmittagsstunden werden ausschließlich als Doppelstunden unterrichtet. Die Stunden 5 und 6 können auch als Einzelstunden unterrichtet werden. Dieses Modell bietet daher die Möglichkeit, sowohl auf die unterschiedlichen Bedarfe der Fachgruppen einzugehen als auch die Mittagspause zur Essenausgabe flexibel zu gestalten: sie findet in der Regel nach der 6., bei entsprechender Essen-Nachfrage aber auch schon nach der 5. Stunde statt. In diesem Falle enthält der Nachmittag für betroffene Klassen 3 Unterrichts- bzw. Betreuungs-stunden.

Der Pflicht- und Ergänzungsunterricht nach Stundentafel belegt je nach Jahrgang 32 – 34 von 36 Wochenstunden. Die restlichen 2 bis 4 Wochenstunden werden durch Betreuungs- und Beschäftigungsangebote gefüllt. Während der Mittagpause stehen neben der Mensa  Ruhe- und Bewegungsräume zur Verfügung.

2. Betreuungs- und Beschäftigungsangebote

Neben dem Pflicht-Unterricht nach Stundentafel finden sich folgende Betreuungs- bzw. Beschäftigungsangebote in diesen Organisationsformen:

  • Mittagessen in der schuleigenen Mensa (hochwertige Kost zu günstigem Preis!)
  • Beaufsichtigte Freiarbeit im Klassen- bzw. Kursverband
  • Förderband-Arbeit in Kleingruppen
  • Hausaufgaben-Betreuung in Gruppen bis zu 20 Schülern
  • Individuelle Nachhilfe „Schüler helfen Schülern“
  • AG-Angebote aus allen Aufgabenfeldern einschließlich Sport (bewegte Schule)
  • Individual- und Gruppenberatung durch Sozialarbeiter und/oder Berufsberater
  • Selbstständiges Arbeiten im Selbstlernzentrum (SLZ)
  • „Bücher-Stöbern“ in der Schülerbücherei
  • „Chillen“ im Ruhebereich

Alle außerunterrichtlichen Maßnahmen verstehen sich als offene Angebote für die zwei  bis vier nicht von Fachunterricht abgedeckten Wochenstunden. Der Zeitrahmen verbindlicher Anwesenheit wird von den jeweiligen Leitern/Aufsichten festgelegt.

Nach Maßgabe unseres schulinternen Evaluationskonzeptes werden alle Maßnahmen und Angebote jährlich evaluiert. Die Ergebnisse werden der Schulkonferenz berichtet;    sie dienen der Systementwicklung.

3. Personalressourcen

Die Koordination des „Ganztages“ erfolgt durch ein Mitglied des Kollegiums.

Das Angebot im Förderband wird von Fachlehrern, Referendaren/Referendarinnen und zukünftig von Schulpraktikanten personell abgedeckt.

Sowohl die Hausaufgabenbetreuung als auch die Arbeitsgemeinschaften werden außer von Fachlehrern von Eltern, Übungsleitern örtlicher Sportvereine, Senioren und Schülern der Oberstufe getragen. Entsprechende Vereinbarungen sind entweder bereits getroffen oder werden z.Zt. angebahnt.

Beratungsarbeit wird von einem Beratungslehrer-Team, aber auch von einer angestellten Schul-Sozialpädagogin und – bei Bedarf -  im Rahmen eines Kooperationsvertrages von Fachkräften der Bundesagentur für Arbeit ausgeführt.

4.   Raumressourcen

Zuzüglich zu den Fach- und Klassenräumen können folgende Räume bzw. Einrichtungen benutzt werden:

  • Cafeteria/Mensa mit komfortabler Cateringküche
  • ein Selbstlernzentrum (32 IT-Arbeitsplätze) mit Bibliothek
  • eine separate Schülerbücherei
  • unsere Theater-Aula mit Foyer
  • mindestens eine Sporthalle
  • der Schüleraufenthaltsraum ‚OASE’
  • das Beratungszimmer und
  • der SV-Raum.

Während der Essen-Ausgabe (12:30 bis 14:15) stehen Aula und Foyer für allgemeine Betreuungsmaßnahmen nicht zur Verfügung. Die Essenausgabe erfolgt durch Angestellte des Catering-Unternehmens.

Die Aufsicht teilen sich Kolleginnen und Kollegen von Gymnasium und Hauptschule mit Eltern; Schüler organisieren einen Ordnungsdienst.


Dieses Ganztagskonzept wurde in der Schulkonferenz vom 18.11.2009 mit Mehrheit beschlossen.

Der verbindliche Einstieg in den Gebundenen Ganztag wurde von der Schulkonferenz am 07.12.2009 beschlossen.

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